Zwischen evident und bedenkenlos…

… sollten sich weitreichende Entscheidungen abspielen, ansonsten gehen wir stets ein Risiko ein, das sich in seinen Konsequenzen nicht mehr überschauen lässt. Die Frage nach Evidenz bzw. Bedenkenlosigkeit ist immer eine Frage nach der Haltbarkeit eines Urteils bzw. eines Standpunktes. Was spricht dafür, was dagegen? Die Haltbarkeit einer Argumentation zu hinterfragen, ist stets ein Zeichen von Intelligenz, insofern man sich auf die Argumentationskette des Anderen tatsächlich auch einlässt. Viele Mitmenschen vermischen beide Sachverhalte miteinander. Auch wenn ich mir etwas offen anhöre, muss ich mich nicht zwangsläufig überzeugen lassen. Doch Offenheit gibt den Argumenten eine Chance, von uns reflektiert und bewertet zu werden und nicht selten folgt auf eine Neuabwägung der Schreck:

Hätte ich das doch nur früher gewusst!

Ein Beispiel…

Ein Patient sitzt beim Arzt. Eine Untersuchung erfolgt und endet mit einer Diagnose. Der Patient wünscht sich nun ein „evidentes“ Urteil bzgl. seines akuten Leidens. Das bedeutet: Sollte derselbe Patient sich eine zweite Meinung einholen, wäre es beruhigend, wenn die zweite Fachmeinung mit der ersten übereinstimmt und nicht zu gänzlich anderen Schlüssen kommt. Konfuser wird es sicherlich, wenn gar noch in einem dritten Durchgang eine weitere Perspektive hinzukommt. In diesem Fall würde wohl der Patient zunächst entmutigt die Schulter zucken und fragen: Und nu‘?

Ob nun die Erkrankung lebensbedrohlich ist oder nicht. Ungewissheit ist mitunter das Schlimmste, was uns als Individuen und als Gesellschaft passieren kann.

Kurz: Sicherlich keine Seltenheit: Drei Ärzte – vier Meinungen = Supergau!

Nehmen wir mal an, alle drei Ärzte sind sich einig und die Diagnose findet uneingeschränkt fachliche Zustimmung und ist somit der ärztlichen Seite „evident“: Puh, eine Hürde genommen! Man weiß, was es ist! Erleichterung oder Schock. Aber endlich keine Ungewissheit mehr.

Dann wäre üblicherweise die Frage nach der Behandlung an der Reihe. Hier wird sich sehr häufig zunächst von ärztlicher Seite informiert: Sind Sie allergisch auf etwas? Oder: Haben Sie chronische Erkrankungen? usw. Durch diesen ersten Abgleich werden verschiedene Behandlungsmethoden auf „Bedenkenlosigkeit“ betrachtet, denn nicht jedes Medikament bzw. Behandlung wird von jedem Patienten gleich gut vertragen.

Wenn sich nach dieser Phase für ein Verfahren entschieden wurde und somit als abgeschlossen betrachtet werden kann, erfolgt eine kurze Beratung zur gewählten Behandlung. Ein Termin für eine Nachuntersuchung wird bestimmt, denn schließlich möchte der Arzt feststellen, inwieweit die durchgeführte Behandlung ihren Zweck (üblicherweise die Genesung) erfüllt hat. In diesem Prozess hat „nur“ der Arzt zu bestimmen, ob und inwieweit eine Behandlung „bedenkenlos“ ist. Es sollten keine triftigen Gegenargumente vorhanden sein. Die Behandlung durfte bislang nach dem hippokratischen Eid keinen Schaden verursachen. Dafür trug seither der Arzt die Verantwortung.

So weit, so gut.

In etwa so stellen wir uns einen seriösen Arztbesuch vor und auf die objektive Fachkundigkeit des Arztes und der Weiterentwicklung der Heilkunde beruht unser gesamtes Vertrauen und auch das Ansehen dieses Berufsstandes.

Leider gilt dieser Sachverhalt, wenn auch etwas idealisiert dargestellt, nicht mehr.

Es wurde eine neue Argumentationsfigur eingeführt und diese erzeugt zwangsläufig ein Dilemma (- dass Dilemmata organisatorisch hochgradig brisant sind, soll in einem anderen Beitrag geklärt werden). In unserem Fall steht das Wohl des Einzelnen (hier des Patienten), dem sich der Arzt bisher verschrieben hat, nicht mehr im Vordergrund. Dieser Perspektivwechsel ist dramatisch.

Mit der Figur des Allgemeinwohls wird das individuelle Wohl praktisch ausgeschaltet und es wird nun in einer Behandlung nicht mehr der Patient als alleiniger Referent angesehen, sondern nun die politische Situation dem Wohl des Patienten übergeordnet. Wenn es dem Allgemeinwohl dient, darf dem Patienten geschadet bzw. Schaden in Kauf genommen werden. Dafür gehen wir allerdings, wir erinnern uns, eigentlich nicht zu einem Arzt.

Ich möchte nicht pauschalisieren, aber ich denke, ein Großteil der Ärzte fühlt sich dem Wohl des Patienten, genauer dessen Gesundheit gegenüber, verpflichtet. Ich weiß, ich bin ein Idealist. Aber auch vor der „C“-Krise waren Ärzte, die teure und möglicherweise überflüssige Behandlungen, um ihres eigenen Vorteils Willen vorschlugen, eher unseriös. Ein Zahnarzt, der einem andauernd Implantate andrehen wollte, erweckte eher den Eindruck eines Geschäftsmannes als eines Arztes. Und das gewinn- und nicht gesundheitsorientierte Pharmalobbies hinter Medizinern existieren, sollte eigentlich nicht größerer Erklärungen bedürfen. Krankheit, nicht Gesundheit, ist ein Geschäft. Immer gewesen. An Gesundheit verdient niemand.

Aber nun von der „alten“ zur „neuen“ Normalität. Mit dem Prinzip des Allgemeinwohls unterliegt ein Arzt einer ganzen Reihe von Instanzen, die eine Neuausrichtung fordern und den Heilern unseres Landes ihre traditionelle Arbeit immens erschweren, wenn nicht gar entgegenwirken. Das wäre nach dem alten Verständnis ein Verbrechen. Nun nicht mehr!

Ein Arzt kann für die Verabreichung von unerprobten Impfstoffen und den dabei entstehenden Nebenwirkungen nicht haftbar gemacht werden. Gleichzeitig kann der behandelnde Arzt keine Abschätzung gegenüber den Impfstoffen abgeben, weil schlichtweg keine Daten existieren. Welche Verantwortung trägt also der Arzt gegenüber dem Patienten noch? Was genau unterschreiben wir eigentlich nach dem Beratungsgespräch?

Wer sich kurz darüber Gedanken macht, dass Allgemein- und Individualwohl auch gegeneinander ausgespielt werden können, sollte sich auch gleich fragen, welchen Stellenwert Evidenz und Bedenkenlosigkeit in unserer „neuen Normalität“ dann noch haben kann. Wenn wir Evidenz mit einer Diagnose und Bedenkenlosigkeit mit einer Behandlungsmethode, wie im obigen Beispiel, in Verbindung bringen, dann ergeben sich folgende Fragen zur aktuellen Situation:

a) Ist eine Diagnose evident?

b) Ist eine Behandlung bedenkenlos?

Übertragen wir diese beiden Fragen auf aktuelle und mittlerweile immens stark politisierte Begriffe, so ergibt sich argumentativ, je nach Reflexions- bzw. Glaubenslage, eine polare Landschaft.

ad a) Ist bzw. sind XYZ evident?

Unter „XYZ“ verstehe ich, …

– Einschätzungen der Bedrohung (die Kriterien der Einschätzungen)

– Ideale: z.B. das der Ausrottung eines Virus

– Erhebung von Inzidenzzahlen (damals noch R-Wert)

– bisherige Prognosen, die „allesamt“ (noch) nicht eingetreten sind

– Testverfahren bzw. Testnotwendigkeit (nicht zu vergessen!)

– bisherige Leitmedienberichte zum Thema

– bisherige politische Äußerungen.

etc.

Die Einseitigkeit der Leitmedien spricht Bände und zwar derart, dass alternative Sichtweisen regelrecht verfolgt werden! Die Frage nach Richtigkeit und Falschheit darf erst gar nicht gestellt werden. Das lässt sich nur mit ständiger Wiederholung  fundamentaler Einseitigkeit und Ausschluss erreichen! Aber wenn Evidenz nur dem Anschein nach ungeprüft behauptet und jede kritische Überprüfung geahndet wird, dann wird ein „Sein“ willentlich festgelegt und nicht durch Wahrnehmung festgestellt.

Kurz: Es soll so sein.

Glücklicherweise lässt sich so Evidenz nicht erzeugen – zumindest kommen rationale Mitmenschen auf Widersprüche, die jede Evidenz dieser Art kippen lassen. Aktuell leider nur eine Minderheit. Aber wie ist es nach der „einseitigen Evidenz des Seins“ dann um die „Bedenkenlosigkeit des nachfolgenden Sollens“ bestellt?

(U.a. hat sich ein gewisser Klaus Schwab dazu erstaunlich frühzeitig und prophetisch geäußert – woanders mehr dazu.)

 

ad b) Ist bzw. sind XYZ bedenkenlos?

Hier verstehe „XYZ“, als …

– medizinische Maßnahmen (Masken, Testpflicht, Abstandsregeln etc.)

– politische Maßnahmen (Verlust von Grundfreiheiten, Beugehaft & Strafzahlungen, angestrebter digitaler Impfpass etc.)

– wirtschaftliche Maßnahmen (Lockdown, G-Regel, Kontaktbeschränkungen etc.)

– mediale Maßnahmen (Zensur, Diffamierung, Ausschluss etc.)

– gesellschaftliche Maßnahmen (Kontaktbeschränkungen, Aufhebung der Privatssphäre, Jobverlust etc.)

– Wirkungen neuer Heilungsmethode(n): Eigentlich gibt es ja nur eine.

– Wirkungen traditioneller Heilungsmethoden: Spielen irgendwie keine Rolle mehr.

– „Impfung“ als zudem „alleinige“ und „verpflichtende“ Heilmethode (Frage ebenfalls nach Evidenz).

(Ich habe mich bei den Maßnahmen auf drei Aspekte pro Stichpunkt beschränkt. Ich glaube, jeder hat Verständnis, wenn ich hier nicht auf Vollständigkeit gehe. Der Auszug illustriert die Ungeheuerlichkeit für alle bewussten Gemüter völlig hinreichend.)

Jetzt mal an alle Unkritischen gefragt: Wieviel Evidenz und Bedenkenlosigkeit kann jetzt noch angenommen werden? Kein neu hinzugekommener Aspekt ist evident, kein Verfahren (es gibt ja scheinbar nur eins, und das ist unerprobt) ist bedenkenlos. Wie etwas Unerprobtes bedenkenlos sein kann, soll mir mal die liebe Bundesregierung erklären… Jeder Befürworter darf sich auch aufgerufen fühlen.

Warum sollten Menschen, die hier etwas Tradiertes und Vertrauenswürdiges vermissen, Verschwörungstheoretiker sein? Oder rechts? (Oder, was man sich in den Leitmedien sonst noch hat einfallen lassen.)

Welche Position nehmen eigentlich diejenigen Kreise der Gesellschaft ein, die diesen ganzen Prozess befürworten? Es heisst (fast schon warnend) mehrfach in den Medien, dass die Kritiker „gut informiert“ seien. Sind es die Unkritischen etwa nicht? Ist das nicht eigentlich eine Schande? Da kommt es zu einer sich immer weiter ausbauenden Spaltung der Gesellschaft und der einen Seite werden die abstrusesten Vorwürfe gemacht und die andere Seite kann man mit „Uninformiertheit“ einfach abkanzeln?

Kommt etwa eine „Pandemie der Uninformierten“?

Nein. Sie ist schon da, und wenn man sich die aktuelle Übersterblichkeit anschaut, nimmt diese Pandemie – bei allen vollzogenen und achso erfolgreichen Maßnahmen – an Tödlichkeit sogar noch zu! Erstaunlich nicht? Hier scheint der Uninformiertheit (wohl aus Trägheitsgründen) nur noch blinder Glaube zur Seite stehen zu können.

Die, die auf die Straße gehen, wissen genau, warum sie das tun. Diejenigen, die sie verurteilen auch? Das bezweifle ich. Daraus ergibt sich für mich, warum man in knapp zwei Jahren keine offene Diskussion zwischen Experten zugelassen hat:

Weil schlichtweg eine rationale Diskussion argumentativ so nicht gewonnen werden kann. Und dies wiederum wäre vielen heutigen Befürwortern nicht entgangen.

Wer sich nicht informiert, stellt natürlich auch keine kritischen Fragen. Sich zu informieren, heißt heutzutage unmissverständlich, sich neben den Leitmedien auch andere Positionen anzuhören, da die Leitmedien allein, kaum Abwägenswertes enthalten können – das macht ja gerade Einseitigkeit aus.

Dies kann jeder selbst testen: Impfpflicht (ja/ nein) – wie ist das Verhältnis innerhalb der Leitmedien in Prozent (90/ 10)? Das kann nicht objektiv sein. Die Impfstoffe sind unerprobt! Allein eine öffentliche Diskussion ist, im Hinblick der Einseitigkeit, fahrlässig. Kein Arzt verlässt sich zu 90% auf die Meinung des leidenden Patienten (oder auf die von Politikern) und schickt ihn dann (ohne sich ein eigenes Bild gemacht zu haben) wieder nach Hause.

Zumindest galt dies noch vor „C“ …

Mit dieser Form von Objektivität überquert niemand freiwillig eine stark befahrene Straße, denn die Chance, heil auf die andere Seite zu kommen, stehen sehr schlecht. Mit dieser Einsicht geht auch niemand mehr wirklich zu einem Arzt, weil man einfach nicht mehr einsehen kann, ob die Maßnahmen noch der eigenen Gesundheit dienen – oder dem Gemeinwohl. Könnte mein Wohlbefinden dem Gemeinwohl entgegengesetzt sein? Eine schöne Frage des Vertrauens für das Wartezimmer…

 

Euer Paul

p.s. … und eine Frage, die Sie Ihrem Arzt ebenfalls stellen können. Schließlich sind Ärzte genauso wenig Experten in ethischen Fragen wie die meisten Patienten!

p.p.s. Ein weiterhin Frohes Fest an alle!

 

 

 

 

 

 

 

 

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