Individuum (Individualität)

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Dieser Begriff begegnet einem schon des Öfteren im Alltag wie Person, Persönlichkeit, Subjekt und eben auch Individuum. Sicher bezeichnen die Ausdrücke verschiedene Facetten. Hier reicht es, das Individuum als Instanz anzusehen, die allein zur Vernunft fähig ist. Es gibt keine Vernunft in Gruppen, genauso wenig, wie es Gruppeneinsicht oder Gruppenreue geben kann. Diese Fähigkeiten haben sich zwar als Eigenschaften des Menschen dargestellt, die ihm als Alleinstellungsmerkmale dienen und von anderen bekannten Lebewesen unterscheiden. Aber diese Merkmale liegen eben nur im Individuum — zudem nur potenziell vor. Ein Individuum kann, wenn die Umweltbedingungen dafür günstig stehen, diese Potenzialität entwickeln und sich ihrer bedienen. Den dafür nötigen Entwicklungsprozess möchte ich hier Individualisierung nennen. So sehr Kommunikation innerhalb eines sozialen Raumes für diese Entwicklung notwendig ist, gilt dies auch für die Freiheit, sich zurückziehen zu dürfen.

Ein Problem unserer Gesellschaften besteht darin, dass es an einer Rückzugsfreiheit mangelt. Wir werden nahezu überall beobachtet und mit Regeln und Erwartungen überhäuft. Digital sogar ausnahmslos. Das ständige „Ausgesetztsein“ verhindert Individualisierung. Die notwendigen und ermöglichten Einsichten in diese Entwicklung können im Individuum weitergehendes Verantwortungs- und Nachhaltigkeitsdenken fördern und soll, so die Annahme, bis zu einem Bild der Organisation der Spezies reichen. Die Forderung Erkenne dich selbst wird auf den umfänglichsten Deutungsrahmen übertragen, dessen wir uns habhaft werden können: Erkenne deine Spezies — und wie sie sich organisiert!

Wir alle haben dieses Potenzial nicht verloren! Es gibt keine Eliten, die es für uns stellvertretend wirklich anwenden könnten, so sehr man uns diesen Umstand auch einreden mag. Da wir uns in keine Richtung von Vernunftprinzipien auch nur ansatzweise organisatorisch bemühen, muss davon ausgegangen werden, dass die Eliten in ihrem soziologischen Gedankengefängnis hocken — genau wie wir. Denn eines der Motive, das uns alle im Kapitalismus bindet, lautet „Sein aus Haben“. Dieses Motiv kann kein individueller Wert sein. Lernt aus diesem Missverständnis, denn es regiert uns alle!

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